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Endemiten nennt man Taxa, deren Verbreitungsareal relativ klein
ist, richtig heißen sie Stenochore (solche, die etwa nur auf einem
einzigen Berg vorkommen, werden auch als „Lokalendemiten“
bezeichnet). Exakterweise wird der Begriff Endemit nur relativ zu
einem bestimmten Gebiet (z. B. Europa, Alpen, Ostalpen, Österreich,
Steiermark oder Tauern) verwendet: Endemiten sind somit jene Taxa,
die natürlicherweise nur innerhalb dieses Gebiets vorkommen und
sonst nirgends auf der ganzen Welt.
In
Österreich gibt es keine einzige endemische Gattung, jedoch
zahlreiche
endemische Arten und Unterarten. Subendemiten heißen die „Beinahe-Endemiten“,
die nur geringfügig außerhalb des Gebiets vorkommen. Der „Wert“ eines Endemiten hängt natürlich von
dessen taxonomischer Rangstufe ab. Wissenschaftlich (biogeographisch
und taxonomisch) interessant ist hauptsächlich, wo die
nächstverwandten Sippen verbreitet sind.
Die
meisten unserer Endemiten sind Reliktendemiten. Viele Reliktareale
sind in der letzten Eiszeit (Würm-Eiszeit) dadurch entstanden, dass
sich solche Arten nur in kleinen nicht oder wenig vergletscherten
Gebirgsteilen (z. B. Südalpen, östliche Randalpen) halten, aber
nacheiszeitlich nicht wieder ausbreiten konnten. Reich an Endemiten
sind in Österreich die nordöstlichen Kalkalpen (Areal vom Wiener
Schneeberg bis ins Salzkammergut), die Südalpen und der östliche,
würmeiszeitlich unvergletscherte Teil der Zentralalpen (Niedere
Tauern und vor allem Koralpe).
Beispiele für das Vorkommen von Endemiten
Endemiten der nordöstlichen Kalkalpen:
Campanula pulla / Dunkle oder Österreich-Glockenblume,
Dianthus alpinus / Ostalpen-Nelke, Euphorbia saxatilis /
Felsen-Wolfsmilch (niederösterreichischer Endemit), Callianthemum
anemonoides / Windröschen-Schmuckblümchen, Draba stellata
/ Sternhaar- oder Österreich-Felsenblümchen, Euphorbia austriaca
/ Österreich-Wolfsmilch, Nigritella archiducis-joannis /
Erzherzog-Johann-Kohlröserl, Biscutella laevigata subsp.
austriaca / Österreichisches Glatt-Brillenschötchen,
Doronicum glaciale subsp. calcareum / Kalk-Gamswurz, Papaver
alpinum subsp. alpinum / Nordöstlicher Alpen-Mohn. –
Österreichische Subendemiten sind z. B. Soldanella austriaca
/ Österreich-Eisglöckchen (westlich bis zu den Chiemgauer Alpen) und
Primula clusiana / Clusius-Primel (westlich bis in die
Berchtesgadner Alpen).
Endemiten der östlichen Zentralalpen:
Saxifraga
blepharophylla / Wimper-Steinbrech, Valeriana celtica subsp.
norica / Österreichischer Echt-Speik (die Art ist
alpisch-disjunkt). – Steirische Endemiten sind Cochlearia excelsa
/ Steiermark-Löffelkraut, Saxifraga styriaca /
Steiermark-Steinbrech, Pulsatilla styriaca /
Steiermark-Küchenschelle, Sempervivum pittonii /
Pittoni-Hauswurz (Serpentin-Lokalendemit des mittleren Murtals).
Sempervivum stiriacum / Steirische Berg-Hauswurz, Doronicum
cataractarum / Gießbach-Gamswurz (Endemit der Koralpe),
Saxifraga paradoxa / Glimmer-Steinbrech (Subendemit der Koralpe,
österreichischer Subendemit, da auch am slowenischen Südfuß der
Koralpe und im untersteirischen Bacher-/Pohorje-Gebirge),
Onobrychis arenaria subsp. taurerica / Tauern-Sand-Esparsette
(Endemit der Hohen Tauern), Androsace wulfeniana /
Wulfen-Mannsschild (Endemit der Ostalpen, in Österreich
subendemisch).
Südostalpische Endemiten:
Wulfenia carinthiaca subsp. carinthiaca / Kärntner Wulfenie (Lokalendemit
des Gartnerkofels, kärntnerisch-friaulischer Endemit),
Helictotrichon petzense / Petzen-Staudenhafer, „Karawankenhafer“
(Karawanken-Endemit, kärntnerisch-slowenischer Endemit), Gentiana
froelichii subsp. froelichii / Karawanken-Enzian, Primula
wulfeniana subsp. wulfeniana / Wulfen-Primel, Papaver alpinum
subsp. kerneri / Kerner-Alpen-Mohn.
Der
seltenste und am stärksten gefährdete österreichische Endemit ist
Cochlearia macrorrhiza / Dickwurzel-Löffelkraut, ein Endemit
Niederösterreichs, von dem nur noch zwei Pflanzen in einem
Niedermoor im Wiener Becken existieren.
Alphabetische Liste der Endemiten und Subendemiten
Österreichs

mit Bildern und Verbreitungskarten. |
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